Ein Schutzacker für die Artenvielfalt

Ein Schutzacker für die Artenvielfalt

Die traditionelle Landwirtschaft hat früher eine vielgestaltige Kulturlandschaft geschaffen, die mit zahlreichen Tier- und Pflanzenarten ausgestattet war. Doch mit der Intensivierung der Landwirtschaft – besonders seit der Mitte des 20. Jahrhunderts – setzte eine rasche und tiefgreifende Verarmung der Artenvielfalt auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen ein. Im Ackerbau wurde sie hervorgerufen durch neue Bewirtschaftungsformen wie z. B. Einsatz von Pestiziden, übermässige Mineraldüngung, Saatgutreinigung, tieferes Pflügen und Verminderung der Kulturarten. Hauptursache hierfür ist die naturfeindliche Agrarpolitik. Von dem Artensterben auf unseren Äckern sind nicht nur die Ackerwildkräuter betroffen, sondern auch die Tierwelt, die früher so zahlreich die Äcker bevölkerte und in vielfältiger Weise mit der Pflanzenwelt verbunden ist: Feldvögel wie das Rebhuhn oder die Lerchen; Säugetiere wie Hamster und Hasen; Insekten wie Schmetterlinge und Wildbienen.

Deshalb hat die Bürgerstiftung Unser Land!, die sich der Pflege der Kulturlandschaft widmet, beschlossen, wenigstens an einer Stelle im Taunus eine Zufluchtsstätte für die bedrohten Ackerpflanzen und –tiere zu schaffen. Keimzelle hierfür ist das frühere Feldflora-Reservat (FFR) in Schlangenbad-Hausen vor der Höhe, das der Kulturlandschaftsverein Hausen (KLV) schon 2001 unter Anleitung von Dr. Wolfgang Ehmke eingerichtet hat. Dort wurden frühere Kulturarten angebaut, die z. T. schon in Vergessenheit geraten sind, wie z. B. Lein, Einkorn, Emmer, Linsen, Schlafmohn und Hanf. Ganz nebenbei stellte sich auch eine Reihe von Wildkräutern ein, da auf diesen 800 m² auf das Spritzen und Düngen verzichtet wurde, z. B. Acker-Löwenmaul, Kornrade, Acker-Steinsame, Acker-Spörgel, Sandmohn, Gezähnter Feldsalat und andere. Die Saat-Wucherblume als Charakterart des FFR war schon vorher da. Gute Voraussetzungen also für die Vermehrung dieser und weiterer Wildkräuter auf dem jetzt ins Auge gefassten Schutzacker von 14 000 m² (das FFR lag innerhalb dieses Ackers). Er soll auch Teil des bundesweiten Schutzgebietsnetzes „100 Äcker für die Vielfalt“ werden.

2019 schlug deshalb Wolfgang Ehmke als Vorsitzender des Stiftungsrates der Bürgerstiftung Unser Land! den Ankauf des geplanten Schutzackers nördlich von Hausen v. d. H. vor. Nach Zustimmung des Vorstandes nahm er Kontakt zur Stiftung Deutsche Landschaften auf (GF Matthias Schillo) und erhielt dort die Zusage für einen Zuschuss zum Kaufpreis. Die Stiftung Deutsche Landschaften (SDL) wird dazu ein Spendenkonto einrichten (s. u.). Es ist vorgesehen, den Ankauf bis zum Herbst 2020 zu erledigen.

Die naturschutzfachlichen Vorbereitungen sind schon weit gediehen. Mit dem die Fläche bewirtschaftenden Landwirt wurden die vorzusehenden Bewirtschaftungsmassnahmen einvernehmlich besprochen. Dafür ist ein Pachtvertrag vorgesehen, in dem die Methoden des ökologischen Landbaues nach EU-Verordnung 834/2007 festgeschrieben werden. Die Einzelheiten der Bewirtschaftung wird ein Bewirtschaftungsplan enthalten, der u. a. die Fruchtfolgen, Saatreihenabstände, Düngereinsatz und anderes mehr festsetzt. Auf einen Pachtzins verzichtet die Bürgerstiftung. Der Landwirt erhält eine Förderung nach den behördlichen Förderprogrammen.

Für den Schutzacker wurden bereits wissenschaftliche Begleituntersuchungen für die Entwicklung der Wildkrautflora und der Insekten (Tagfalter und Wildbienen) mit der Hochschule Geisenheim und einem Lepidopterologen vereinbart; ein Ornithologe wird noch gesucht. Es ist vorgesehen, dass die Bürgerstiftung jährliche Führungen organisiert und die Öffentlichkeit informiert.

Offen ist derzeit noch, ob es gelingt, alle früher im Naturraum Taunus heimischen Ackerwildkräuter auf dem Schutzacker wieder anzusiedeln bzw. wachsen zu lassen – viele Arten wie der Acker-Schwarzkümmel, der Gelbe Günsel oder der Acker-Hahnenfuss sind hier schon lange ausgestorben. Es wäre wünschenswert, dass ortskundige Pflanzenfreunde oder Botaniker/innen Hinweise auf Vorkommen seltener Wildarten geben, damit über Saatgutvermehrung das Genpotential dieser Pflanzen gesichert werden kann. Auf jeden Fall kann aber der Schutzacker in Hausen als Rückzugsgebiet für bedrohte Ackerwildkräuter und als Spenderbiotop für weitere Feldflora-Reservate, Schutzäcker und Ackerschonstreifen einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt in unserer Kulturlandschaft leisten. Und sicher nicht zuletzt soll er Spaziergängern und Erholungssuchenden einen Eindruck davon vermitteln, wie farbenfroh, lebendig und artenreich die Ackerfluren im Taunus noch vor wenigen Jahrzehnten waren.

Unsere Spendenkampagne
Die Stiftung Deutsche Landschaften will den Ankauf der Fläche mit einem Fundraising unterstützen.
Dazu brauchen wir Ihre/Eure Spenden.

Spendenkonto: Stiftung Deutsche Landschaften
Sparkasse Ansbach
DE 94 7655 0000 0008 9187 24
Verwendungszweck: Schutzacker Schlangenbad

Bei Beträgen über 200 € erhalten Sie eine Zuwendungsbestätigung der gemeinnützigen Stiftung Deutsche Landschaften für das Finanzamt.

Den Stand der eingehenden Spenden sehen Sie auf dem Spendenbarometer auf der Webseite der Stiftung:
www.heimat-deutsche-landschaften.de/fundraising/ .
Sie entscheiden, ob Sie dort mit Ihrem Namen erwähnt werden oder anonym bleiben wollen.
Setzen Sie, wenn Anonymität gewünscht ist, beim Verwendungszweck das Wort „anonym“ hinzu.

Wenn bis 31.07.2020 ein Betrag von 7.000,00 € oder mehr eingegangen ist, wird die Stiftung Deutsche Landschaften den Betrag auf 14.000,00 € auffüllen und die gesamte Summe für den Ankauf des Ackers zur Verfügung stellen. Sollten bis zum 31. Juli 2020 weniger als 7.000,00 € an Spenden eingegangen sein, würde die Stiftung Deutsche Landschaften davon ausgehen, dass das Projekt in der Region nicht genügend Anklang und Unterstützung findet und die eingegangenen Beträge an die Spender zurücküberweisen.

Kontakt:
Bürgerstiftung Unser Land! Rheingau und Taunus      
Geschäftsführerin Ramona Divivier
Im Morsbachtal  5, 65321 Heidenrod           
06775-96 02 55    
info@buergerstiftung-rheingau-taunus.de